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Bootcamp und Dekadenz


Liebe Freunde der indischen Unterhaltung. Ich habe festgestellt, dass ich im Englischen zu einem allzu spröden Ton neige und außerdem meine älteren Leser Schwierigkeiten beim Lesen haben könnten. Diesen interessanten Post verfasse ich also auf Deutsch.

Es ist etwa 1 Uhr und ich bin recht müde, aber die Ereignisse des gestrigen Tages möchte ich doch gerne noch zum Besten geben. Der Samstag fing damit an, dass mein roommate Daria und ich es für nötig befunden, bis 4 Uhr zu quatschen. Hieran ist an sich nichts ungewöhnliches zu bemerken, da dies dem durchschnittlichen MDI-Rhythmus entspricht. Jedoch mussten wir am Samstag um 5.45 aufstehen, um ab 6.30 an einer “sportlichen Challenge” – so wurden die folgenden Stunden vage angekündigt – teilzunehmen. Wir traten also pünktlich in improvisiertem Sportoutfit (Pyjamahose) mit Wasserflasche an und wurden einem Team an Trainern vorgestellt, die uns in den nächsten 7 Stunden begleiten würden. In diesen Stunden ging es nicht um sportliche Leistungen, sondern Teambuilding innerhalb des Jahrganges (wir sind etwa 58, von denen 23 foreign students sind) ging. Die Aufgaben reichten von Finden eines Weges durch ein Minenfeld (“von den Fehlern der anderen Lernen”) zum gemeinsamen Suchen eines Baumes mit verbundenen Augen (“Planung”, “Koordination”, “Vertrauen”). Das Highlight der Challenge war aber der Sprung vom Ast eines großen Baumes, während dessen man eine an einem anderen Ast hängende Dose berühren musste. Wir waren natürlich durch Bergausrüstung gesichert. Mit vereinten Kräften wurde man vom Team bis zum Ast hochgezogen und musste dann in die Leere springen, um dem Team Punkte zu bringen. Ihr könnt euch vorstellen, dass dies einige Überwindung gekostet hat. Bei dieser Challenge war ich übrigens Teamleiterin und auch deswegen sprang ich als gutes Beispiel mit (was bei unserer Hälfte des Teams – wir wurden vorher geteilt – nicht immer der Fall war.) Es war wirklich eine super Erfahrung und danach wollte ich gleich wieder springen. Wegen der psychischen (krasse erste Teamerfahrung, eigene Grenzen) und der physischen (kein Schlaf, Länge des Programms, sportliche Betätigung) Belastung kann man diese Challenge wirklich nur als krass bezeichnen. Ich habe heute grün-violette Flecken am rechten inneren Oberarm – da, wo der Gurt war. Vor allem aber hätte ich nicht gedacht, dass mich die Challenge auch psychisch mitnehmen würde. Wenn ich darüber nachdenke, kann ich gar nicht genau sagen, was nun belastend war. Wahrscheinlich die Konfrontation mit eigenen Grenzen, das Bestehen-Müssen in der neuen Gruppe etc…Das Programm wurde die ganze Zeit über von zwei Trainern und einem Professor begleitet, der nach jeder Aufgabe alles inhaltlich auf das Thema Management hin evaluierte. Es war wirklich toll, auch, wenn ich gerne ein bisschen mehr als anderthalb Stunden geschlafen hätte.

Wie ihr euch vorstellen könnt, war ich danach völlig fertig. Zur Entspannung rief ich Alex und Toni an, die beiden Deutschen, die als Austauschstudenten für ein halbes Jahr am PGPM-Programm, dem Hauptprogramm des MDIs, teilnehmen. Beim Lunch in der Canteen im “Change Masters” Building war ich aber so erschöpft, dass ich kein vernünftiges Gespräch führen konnte. Ich ging “nach Hause” und fiel, ebenso wie später auch Daria, in ein Koma, das leider bald wieder ein künstliches Ende nehmen musste. Denn um 17 Uhr stand ein obligatorisches Fußballmatch an, das entweder als Mitspieler oder Zuschauer besucht werden sollte: PGPIM gegen PGPM. Während des Spiels wechselte Alex sympathischer Weise die Seiten – da sieht man, was echte Solidarität ist. Ich kann nicht behaupten, dass ich dem Spiel aufmerksam folgte, und so ging es am Spielrand vor allem ums Socializing mit den “Klassenkameraden”.

Auftritt Dimitris. Im weitgehend autofreien Campus rollt ein dicker BMW an und der noch fehlende Mitstudent steigt mit einem indischen Freund, dem Besitzer des Wagens, aus. Genau dieselbe deutsch-griechische Mischung wie ich, nur Mann, jünger und in Athen aufgewachsen. Diane, Sören und ich (Daria war zu dem Zeitpunkt schon weg. Diane ist eine Französin, die übrigens an DEM Elite-Gymnasiums Frankreichs war. Sören ist Deutscher und sieht aus wie ein Hüne.) unterhalten uns eine Weile mit den beiden, gehen zusammen zu unserer Hostel (“Tschititsch”) und schon erhalten wir eine Einladung zum Partymachen nach Delhi. Über die Ausgangssperre zwischen 23 und 5 sollten wir uns keine Sorgen machen, entweder “regle man das schon” (Bestechung der Guards) oder man könne im Landhaus des Freundes schlafen. In jedem Fall werde es fun werden. Ich wollte schon seit einer Weile nach Delhi, und die Gelegenheit, von einem Insider gefahren und begleitet zu werden, reizte mich. Andererseits mag ich es schon seit einiger Zeit nicht mehr, an anderen Orten zu übernachten und in Abhängigkeit von Gruppen zu geraten. Ausgerechnet die stille Diane überredete mich aber, sie zu begleiten. Sören fragte Brita (ebenfalls deutsch) und ich fragte Daria, ob sie uns begleiten. Beide sagten zu und so machten wir uns alle in ein Auto gequetscht auf die Fahrt…

To be continued….


In 2008, I had been selected for the European Business School ESCP’s “Master in International Management” Programme, which was to be taught in two different countries. For my 7 month first semester, I had chosen their partner school “Management Development Institute” (MDI) in Gurgaon, a suburb of Delhi. Not having been to India before, and coming from a non-business background in humanities, it was an exciting time, which I documented on my blog.

1 Comment on Bootcamp und Dekadenz

  1. Und jetzt, wie weiter??🙂

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