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Solare Episode


Mein Vater teilte mir gestern unverhohlen mit, dass meine Texte zu lang sind. Durch die Analyse der Klickraten weiß ich außerdem, dass mein Publikum vor allem an Sex interessiert ist. Als Marketingexpertin richte ich mit damit einmal ganz nach den Wünschen meiner Leserschaft und teile mit euch eine kurze Anekdote zu einem Ereignis des gestrigen Tages.

Als Teil meiner bisher zumeist uninspirierten Jobsuche besuchte ich gestern eine Energiemesse in einem Vorort  von Bangkok. Die Reise dorthin ist ein ganz eigenes Thema, das ich an dieser Stelle aufgrund der kurzweiligen Aufmerksamkeitsspanne meiner Leser leider nicht behandeln kann. Ich kam also an und stellte in der Empfangshalle stehend und meinen Schweiß in der klimatisierten Luft trocknend fest: Alles ist wie in Europa – die Messehalle war top modern, die Hallenpläne sahen aus wie immer, die Werbeunterlagen auch. Nach einigen Metern Richtung Registrierung fiel mir jedoch ein Unterschied auf: Keine Frauen, nirgendwo! Eine enorme männliche Übermacht kannte ich bereits aus Europa und Amerika, aber derartiges hatte ich noch nicht erlebt. Ich sah mich suchend weiter um. Am Horizont des langen Ganges entdeckte ich einige auf Stilettos wankende, zierliche Gestalten mit kurzen Röcken  – ein paar angemalte Hostessen, wie ich beim Vorbeigehen bemerkte. Und rechts von mir lächelten mich einige Damen am Empfang an. Ich musste mich korrigieren – zumindest als hübsche Salatgarnitur waren Frauen vorhanden. Ich ärgerte mich bereits, dass ich mich am Morgen gegen die Hose und für das Etuikleid entschieden hatte.

Ich betrat die Halle, und das Muster setzte sich fort – thailändische, indische oder westliche Männer in Anzügen auf den Gängen und an Tischen sitzend, hübsche thailändische Frauen hinter der Theke oder beim Bedienen der Männer. Die Männerdominanz hatte auch Auswirkungen auf den Verhaltenskodex: So erschien es den meisten Männern völlig legitim, mich beim Vorbeigehen mehrere Sekunden von oben bis unten zu betrachten. Über das abschließend gönnerhafte Lächeln hätte ich mich wohl freuen sollen. Ich verzog keine Miene und flanierte durch die Gänge, die übrigens auch beruflich eine Enttäuschung waren, da lediglich zwei größere und mir bekannte Firmen vor Ort waren.

Als ich mich darum bemühte, am Siemens Stand Informationen zum Solargeschäft in Thailand aus Mitarbeitern auszuquetschen, kam schließlich endlich die Erleichterung: Als Gesprächspartnerin wurde mir eine junge Thailänderin vorgestellt, bei der es sich nicht nur um eine echte Mitarbeiterin handelte, sondern die sogar Führungskraft war. Ich fühlte mich wohl, verstanden, und hoffnungsvoll. Ich freute mich auf ein angenehmes Gespräch mit einer Mitstreiterin im Kampf der Geschlechter, und eine erfahrungsreiche und mitfühlende Unterstützung. Bis sie sagte: “You look beautiful and young, so that’s good.” (Schweigen) “Uhm…OK, thanks I guess. So do you employ Expats in your office?” (Sie rümpfte die Nase) “Oh yeah, we do. But only in the leading functions like me, not” (eine dribbelnde Handbewegung) “in the ordinary posts you know” (mitleidiger Blick). “Well, as I said I used to be the Head of Marketing, so that should not be a problem”. (Schweigen) “Yeah, you look young and good, so…you know it’s easiest if you just refer to our website, you have all the job openings there.”

Ich habe immer noch nicht den Sinn ihrer Gesprächsbeiträge verstanden, aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist: Ich treffe die vielleicht einzige professionelle Frau auf der ganzen Messe, und die ist so offen sexistisch wie ich es von keinem Mann bisher erlebt habe. Hat sie einfach nur gesagt, wie es ist – man kommt als Frau nur weiter, wenn man auch Salatgarnitur kann? Oder meinte sie, ich sehe gut und jung aus, und deswegen würde man mich nur als Salatgarnitur einordnen? (Am Rande: danke für die Blumen, aber so gut sehe ich nun wirklich nicht aus) Oder ist sie so vom sexistischen System korrumpiert, dass sie an ihrer eigenen Position kämpferisch festhält und keine starke Frau neben ihr duldet? In jedem Fall war ich erschüttert. Ich beendete das Gespräch mit falscher Freundlichkeit und wendete mich mit dem Gedanken, dass ich doch lieber mit Männern arbeite, zum Ausgang.

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