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Google: In den Ketten des neuen Absoluts

Google: In den Ketten des neuen Absoluts

Schon immer war der Mensch hilflos technischen Neuerungen ausgesetzt, gegen die er sich vergeblich zu wehren versuchte, aber immer dem verführerischen Sog des Konsums erlag. Denken wir nur an so überflüssige Erfindungen wie die Penizillin, die Eisenbahn, das Telefon – immer bezwang das Neue den Menschen und raubte damit peu à peu ein weiteres Stück seiner Menschlichkeit.

In den letzten Jahren riss uns nun mit dem Internet eine neue Welle an Neuerungen mit, allen voran der Internetgigant Google. Schleichend aber mächtig hat sich Googles Dominanz im Internet in den letzten 10 Jahren nahezu epidemisch ausgebreitet und kennt nach wie vor Halten. Eine Mehrzahl unserer Bundesbürger und fast jede deutsche Firma sind inzwischen unbeteiligte Opfer der unnachgiebigen Tentakel des gigantomanen Unternehmens, welches zu Recht den Spitznamen “Datenkrake” trägt. Dringend bräuchte es staatliche Regulierungen, die das völlig unkontrollierte Interesse an Google-Produkten unserer Mitbürger etwas bremsen – doch der US-amerikanischen Firma sind auf legalem Grund keine Schranken zu setzen. So bleibt der deutsche Bürger seiner übermäßigen Nachfrage selbst ausgeliefert, ein unzumutbarer Zustand des kapitalistischen Systems. Und Google tut alles, um eine Änderung dieser unterjochenden Verhältnisse nahezu unmöglich zu machen.

Wie hat Google uns in den letzten Jahren verführt! Kostenlos, so lockte das Unternehmen schon vor Jahren, ja, ganz kostenlos, kannst du mit uns das gesamte Internet durchsuchen, welches wir für Dich kategorisiert haben. Wer konnte da widerstehen? Zuerst fanden wir es nur praktisch, nach einer Weile jedoch änderte sich das Leben so, dass wir nicht mehr ohne konnten! Die Schlinge zog sich schon damals zu, nur keiner wollte es erkennen.

Immer mehr Menschen benutzten Google, und es ging noch weiter, viel weiter: Zur Suchfunktion gesellte sich ein Email-Programm; dann kam ein Kartenprogramm hinzu, welches mit eigens aufgenommenen Straßenbildern von Hausfassaden die totale Kontrolle über seine Einwohner erreichen wollte. Damals wachten schon einige Bürgerinnen und Bürger auf und bestanden auf ihr gutes Recht, ihr Haus unkenntlich zu machen. Doch die Masse ist träge und oftmals nicht in der Lage, für sich selbst zu entscheiden. Und so erweiterte Google immer weiter, auf Online-Videos, Online-Speicher, und sogar Betriebssysteme, und kaufte sich sogar noch künstlich Firmen hinzu, um seine Macht zu zementieren. Und die Mehrzahl der weniger reflektierten Bürgerinnen und Bürger, die unkritisch dem Rufen Googles folgten, machte mit.

Inzwischen hat sich diese wohl mächtigste Firma der Welt auf eine schier unübersichtliche Weite an Programmen ausgeweitet und ragt inzwischen mit Kamera-Brillen, Robotik-Versuchen und anderen futuristischen Erfindungen nicht nur weit über die Grenzen des Internets, sondern auch die einer normalen Firma heraus – es ist klar, dass Google nicht nur Firma sein möchte, sondern Weltbeherrscher. Erst hat uns Google geschickt unsere Emails an den Steuerberater, unsere intimen Fotos und Suchbegriffe geklaut, und jetzt macht es dieses Wissen zum Kapital! So sagt Netzkritiker Morozov treffend dem Focus: “Google kriecht in jeden Teil unserer Lebensbereiche und macht mit unseren Daten ein großartiges Geschäft.” Wie dies genau vonstatten geht, ist dabei ein Detail – Google hat bisher immer einen Weg gefunden, uns in seine Schlinge zu locken!

Noch dämmern viele Bürgerinnen und Bürger in einem naiven Traum vom “guten Willen” des Internetriesens, die möglichen Folgen seiner ungezügelten Macht komplett ignorierend. Sie sind wie die Frösche im Kochtopf, die langsam gekocht werden, dies aber erst zu spät bemerken, wie die FAZ klug in seinem Artikel “Schürfrechte am Leben” analysiert.
Die Folgen könnten jedoch kaum katastrophaler sein – denn selbst bei einem sofortigen Ausstieg bei Google können ehemalige Kunden davon ausgehen, dass Google ihre Daten – vermutlich unterirdisch – für viele Jahre speichert. Und wenn erst ein totalitäres Regime die Macht ergreift, dann reichen schon ein paar kooperierende Google-Mitarbeiter (um deren Werte es ja jetzt schon schlecht bestellt ist) sowie ein Ministerium mit etwa einer Million Mitarbeitern, um all unsere Emails, Fotos, Videos und PDFs persönlich auf Auffälligkeiten zu durchsuchen, die dann willkürlich gegen uns verwendet werden können. Denn so ein Unrechtsstaat hat ja schon noch einen Rest Anstand und wird nicht einfach irgend etwas ohne Beweis oder mit gefälschten Beweisen konstruieren wollen. DIese Beweise ziehen sie sich dann aus den heimlich gespeicherten Daten, indem sie uns entweder mit unseren illegalen Filmsammlung erpressen, oder zum Beispiel einen Scherz über eine Bombe als Anhaltspunkt für ein terroristisches Attentat verwenden. Nur weil es für eine solche Entwicklung kein historisches Beispiel gibt, sollte man die Möglichkeiten nicht verkennen – wehret den Anfängen! Den Weitsinn, diese Zusammenhänge zu erkennen, haben jedoch nur die wenigsten.

Doch man kann ihnen keinen Vorwurf machen. Denn der kleine Mann hat keinen freien Willen in diesem Schachspiel, in dem der Konsument höchstens ein Bauer ist – wer würde schon freiwillig Suchmaschinen mit schlechteren Ergebnissen, Onlinespeicher mit weniger Speicherplatz, Videodienste mit weniger Funktionalität oder Kartendienste mit schlechtem Kartenmaterial nutzen? Dies sind nur einige Beispiele für die Ausweglosigkeit der Situation vieler Konsumenten, denen durch die Kostenlosigkeit bei gleichzeitig alternativloser Produktqualität von Google schlichtweg keine Wahl gelassen wird. Google hat uns auf verantwortungslose Art und Weise in eine, man kann fast sagen, Versklavungssituation manövriert, aus der es nun kaum ein Entkommen gibt.

Erst jetzt, wo es fast zu spät ist, wacht zumindest die journalistische Elite auf, um den Bürger aufzuklären – die FAZ ruft zum Widerstand auf und wittert richtiger Weise totalitäre Manipulation, wenn Google Werbung in eigener Sache schaltet. Wer meint, dass dies Googles gutes Recht sei, schließlich sei es ein Privatunternehmen, der verkennt fundamental die Verhältnisse: Denn Google, das sind längst wir – das ist der kleine Mann, der sich einen Job sucht, das junge Mädchen, das für ihre nächste Prüfung recherchiert, der Flüchtling, der ein bisschen Deutsch lernen will. Wer den täglichen Klick auf Google kommerzialisiert, der zerstört auch ein Stück Demokratie! Längst ist Google zum Menschenrecht geworden, was finanziellen Zielen bekanntlich widerspricht.

Google fehlt das Gefühl für das richtige Maß. Nach ein paar Internetprodukten hätte Schluss sein sollen, doch Google wollte immer mehr und entwickelt weiterhin attraktive und kostenlose Produkte, die die Massen verführen werden. Während Regierungen tatenlos zuschauen, muss erneut ein Kollege die Initiative ergreifen: Mit seinem offenen Brief an Google hat Springer-Chef Döpfner den Millionen Google-Sklaven einen großen Dienst erwiesen. Diesen spricht er aus dem Herzen, wenn er die Nutzung derer Produkte als “alternativlos” und sich selbst als Opfer der Umstände bezeichnet. Denn Google, so sagt er scharfsinnig, sei inzwischen ein Menschenrecht, so wie Strom. Der deutsche Bürger sei abhängig und könne nicht anders. “Wir haben Angst vor Google. Ich muss das einmal so klar und ehrlich sagen, denn es traut sich kaum einer meiner Kollegen, dies öffentlich zu tun. Und als Größter unter den Kleinen müssen wir vielleicht auch in dieser Debatte als Erste Klartext reden.” Sein öffentliches Outing als Opfer beweist Heldenmut und verdient Respekt. Konstruktiv und weise schlägt er Google vor, sich in Zurückhaltung zu üben, bevor man in Zukunft mit Gewalt zerschlagen werde. Es bleibt zu hoffen, dass sich Googles CEO Schmidt diesen Rat zu Herzen nehmen wird – denn Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.

Auch früher gab es Abhängigkeiten von einem Absolut – nicht nur in der Sklaverei, sondern auch in der Lehnherrschaft und in totalitären Staaten. Neu ist die globalisierte Spannweite ohne staatliche Kontrolle bei gleichzeitig harmlos daherkommenden Deckmantel “kostenloser” Dienstleistungen. Die Bürgerinnen und Bürger werden die Kosten für Googles Übermacht schon noch zu spüren bekommen! Denn wir wissen: Erst wenn die letzte Privatsphäre gerodet, die letzte Festplatte gescant, und die History nicht mehr löschbar ist, werden die Menschen feststellen, dass sie ihre Freiheit an den Teufel verkauft haben…

1 Comment on Google: In den Ketten des neuen Absoluts

  1. I’ll right away clutch your rss feed as I can’t find
    your email subscription hyperlink or e-newsletter service.

    Do you have any? Please permit me understand in order that I may subscribe.
    Thanks.

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