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Die Kaiserschnitt-Verschwörung


Die (fast) vergebliche Suche nach wissenschaftlichen Fakten über das “Wunder” Geburt.

Von den fünf Freundinnen, mit denen ich mich ausführlicher über ihre Erstgeburt unterhalten habe, berichteten eigentlich alle von einer “schief gelaufenen” Geburt. Eine hatte die Geburtsschmerzen unterschätzt, verglich sie mit dem Gefühl, von einer Kreissäge aufgeschnitten zu werden, und schrie so laut, dass man sie bis zum Erdgeschoss des Krankenhauses hörte. Eine andere hatte eine so lange Tortur im Geburtshaus, dass sie sich einen Kaiserschnitt herbeisehnte, wovon sie aber die Hebamme abhielt. Eine weitere musste einen ganzen Tag leiden und war schließlich für eine PDA oder einen Kaiserschnitt zu spät dran. Eine weitere hatte so sehr eine natürliche Geburt erwartet, dass sie den dann plötzlich notwendigen Kaiserschnitt als traumatisierend erlebte. Auch bei der fünften Freundin wurde ein Kaiserschnitt notwendig und sie konnte die natürliche Geburt nicht so durchführen wie geplant. Zuletzt ist da meine eigene Mutter, welche durch eine Schwergeburt mit Saugglocke schlimme Schmerzen und Spätfolgen zu erdulden hatte – ganz zu schweigen von meinem eigenen aufgeplatzten Kopf, an den mich noch heute eine große Narbe erinnert. Mit den zwei weiteren Freundinnen mit Kindern habe ich mich bisher nicht näher unterhalten. Doch selbst, wenn man bei ihnen großzügig von einer „normalen“ Geburt ausgeht, bleibt die Quote der „anormalen“ Geburten bei 5 von 7 bzw. 6 von 8, wenn man meine Mutter mitzählt.
Bei so einer Quote im engeren Umfeld fragt man sich natürlich schon, ob die verbreitete Vorstellung der „normalen“ natürlichen Geburt richtig ist.

Bereits vor etwa zwei Jahren überkamen mich erste Zweifel an der überkommenen Meinung, die natürliche Geburt sei stets die beste Wahl. Doch meine Suche nach der Wahrheit stößt seitdem vor allem auf Grenzen.

Wenn ich den Wunschkaiserschnitt als sinnvolle Geburtsart impliziere, reagieren Frauen oftmals entsetzt, wie man sich den freiwillig „aufschneiden lassen“ könne, unterschwellig akzentuiert mit dem Schuss Moral, dass man als gute Mutter nun einmal für sein Kind leiden müsse. „Du sollst mit Schmerzen Kinder gebären“, das steht ja schon in der Bibel. Wenn man dieses Opfer nicht bringen könne, dann sollte man vielleicht erst gar keine Kinder kriegen, so der Tenor.

Was denn das Kind von der unnötigen Opferbereitschaft während der Geburt habe, frage ich stets, und höre nur Antworten über das durch die natürliche Geburt entstehende „stärkere Band“ zwischen Mutter und Kind. Wie das denn biologisch zu begründen sei, gebe es dafür irgendwelche Fakten? Nein, das sei ja auch ganz schwer zu messen, das habe aber bestimmt was mit Hormonen zu tun oder so, die nur ausgeschüttet werden, wenn das Kind durch den Gebärmuttermund kommt. Aha. Also doch messbar? Schweigen. Ich gebe nicht auf und schlage vor: Nun, es sei ja eine Art Überlebenssituation, bei der bei der Mutter sicher Endorphine ausgeschüttet werden, wenn sie es überlebt hat – ob das vielleicht mit mehr Liebe zum Kind verwechselt werde? Darauf nur die vage Reaktion, dass es ja logisch sei, dass einen so eine Geburt näher an das Kind binde. Ich: So, wie ein Paar eher zusammenbleibt, wenn es eine lebensbedrohliche Situation zusammen gemeistert hat? Verhaltene Zustimmung. Du empfiehlst also allen ernstes, mich künstlich in eine lebensbedrohliche Situation zu begeben, weil ich sonst keine Gefühle für mein Kind entwickeln kann, frage ich ungläubig. Nein, so übertrieben nun auch wieder nicht. Aber eine echte Antwort kommt halt nie.

Wenn das Argument mit der Bindung nicht klappt, dann wird stets auf die „schnellere Rückbildung“ Bezug genommen und die Tatsache, dass man nach einer natürlichen Geburt meist schneller aufstehen kann. Wo sie das denn herhaben, mit der schnelleren Rückbildung? Von Freundinnen, oder von der Hebamme. Und ob der eine Tag oder meinetwegen die ganze Woche, die man länger liegt, denn die Torturen und möglichen Spätfolgen der natürlichen Geburt rechtfertigen, frage ich. Naja, so heißt es dann – man kann ja, wenn man nach dem Kaiserschnitt da so unbeweglich liegt, nicht mal richtig sein Kind in den Arm nehmen, das ist für das Kind sicher belastend. Ganz bestimmt – und wo steht das? Schweigen.

Man habe vielleicht keine konkreten wissenschaftlichen Argumente, aber schließlich habe die Natur ja die Geburt so eingerichtet und habe sich sicher was dabei gedacht. Es sei bestimmt nicht gut, wenn das Kind so einfach rausgerissen würde, ohne vorher selbst die Wehen eingeleitet zu haben und wer weiß, was Mutter und Kind so alles an ausgeschütteten Hormonen fehle, wenn man einen Kaiserschnitt mache. Nun, das ließe sich ja wissenschaftlich überprüfen, da gebe es doch sicher schon Studien zu, ob sie die denn nicht gelesen hätten? Nein, man müsse ja nicht gerade eine wissenschaftliche Untersuchung daraus machen – man vertraue lieber seiner Hebamme, die sei ein alter Hase und ihre Kunst Jahrtausende alt. Ob sie denn anstatt Antibiotika und Chemotherapie sonst auch Jahrhunderte alte Medizin nehmen würde? Das sei ja so nicht vergleichbar. Wirklich nicht?

Man habe auch gehört, dass es nach einem Kaiserschnitt häufig Atemprobleme des Babies gibt und das Kind insgesamt etwas weichlich werde, weil es ja gar nicht ums Überleben kämpfen musste. Was bedeute denn „Atemprobleme“ genau und wo haben sie das her? So genau wisse man das jetzt auch nicht, das habe ihnen ein Arzt gesagt. Immerhin. Und das mit dem Überlebenskampf – selbst wenn sich das Baby später an irgendetwas unbewusst erinnern könnte: man würde doch auch sonst nicht sein Kind absichtlich bedrohlichen Situationen aussetzen, um es „härter“ zu machen?

Ebenso ungeklärt, aber nicht weniger relevant für mich als Frau ist, wie es nach der Geburt „unten rum“ eigentlich aussieht. Das ziehe sich wieder alles zusammen, höre ich überall. Warum gehe es dann bei den nachfolgenden Geburten immer schneller, wenn es nicht mit einem ausgeleierten Gewebe zusammenhängt? In Foren hört man alles mögliche, vom „Lost Penis“ Syndrom und Inkontinenz bis hin zu Frauen, die schwören, dass es bei ihnen alles „noch enger“ geworden ist. Noch verwirrender ist jedoch, dass sich in meinem Umfeld darüber keiner Gedanken zu machen scheint, oder nur im Verborgenen – als wäre es eine Schande gegenüber dem Kind, seine eigene Gesundheit und Sexualität schützen zu wollen. Auch in Onlineforen ist mir aufgefallen, dass Frauen schnell abgestraft werden, wenn sie es wagen, sich Gedanken um ihre Genitalien zu machen. In Artikeln ist abschätzig von der Mehrzahl der Brasilianerinnen die Rede, die sich mit dem Kaiserschnitt eben ihre “honeymoon vagina” erhalten wollen. Welch Unverschämtheit von diesen Brasilianerinnen!

Selbst zwei Frauenärzte sind nicht in der Lage, mir einmal anhand von Statistiken oder Studien zu sagen, wie es denn nun wirklich ist mit den Pros und Kontras von natürlicher Geburt versus Kaiserschnitt. Anstatt dessen höre ich auch dort nur die üblichen Parolen darüber, dass man das Schneiden immer vermeiden sollte („es ist halt eine richtige Operation“ – ach!) und dass es eine ganz individuelle Entscheidung sei und so weiter.

Bei jeder anderen Behandlung ist es normal, wenn ein Arzt mich über die reellen Risiken aufklärt – nur bei einer Geburt gilt diese Regel offenbar nicht, denn sie ist ja „natürlich“. Es kursiert das Gerücht, dass eine Mehrheit an Frauenärztinnen für sich selbst den Kaiserschnitt bevorzugt. Doch bestätigen konnte mir das bisher weder eine Statistik noch ein Frauenarzt. Eine Frauenärztin lächelt daraufhin nur still und ein Frauenarzt sagt, dass seine eigene Frau eine natürliche Geburt gehabt habe, das sage ja wohl alles. Tut es das?

Ob nicht die steigenden Zahlen sekundärer Kaiserschnitte ein Indiz dafür seien, dass das medizinische Personal um die höhere Sicherheit des Kaiserschnittes wisse? Nun, man glaube eher dass es mit der Profitorientierung des Krankenhauses zusammenhänge. Selbstredend fehlt auch hier jeglicher Beweis. Oftmals wird auch der medizinische Nutzen des Kaiserschnitts im Falle von Geburtskomplikationen so gedeutet, dass es dem behandelnden Arzt eben an dem nötigen Mut fehle. Die Geburt als Mutprobe?

Da weder Einzelaussagen im Freundeskreis, in Onlineforen, noch von Ärzten mir irgendwie zu fundiertem Wissen verhelfen, suche ich also ausführlich nach wissenschaftlich begründeten Informationen zum Thema. Auf Flyern von pro familia, Websites von Geburtskliniken und Wikipedia finde ich etwas mehr Gehalt: So werden die möglichen Beckenbodenverletzungen und Komplikationen der natürlichen Geburt erwähnt, und möglichen Atemproblemen des Babys sowie Thrombosegefahr, Vernarbungsproblemen sowie postoperativen Schmerzen des Kaiserschnitts gegenübergestellt. Die Letalitätsrate wird beim Kaiserschnitt mal höher, mal gleich hoch angegeben wie bei der natürlichen Geburt.

Wieder jedoch werden Angaben nicht quantifiziert, zwischen primärem (Wunsch-)Kaiserschnitt, sekundärem Kaiserschnitt (bei nicht unbedingt lebensbedrohlichen Komplikationen wie Geburtsstillstand oder Lage des Kindes) und Notkaiserschnitt zur Rettung von Leben nicht differenziert. Quellen werden eigentlich nie genannt, und  oftmals ist mehr von Vermutung denn von Wissen die Rede – so wird vermutet, dass Kaiserschnitt-Kinder ein schwächeres Immunsystem haben und eher Allergien bekommen, nachgewiesen ist dies jedoch nicht (die entsprechende Studie zeigt mehr Korrelation als Kausalität auf).

Letztlich bleibt jedoch derselbe Grundeindruck der „vielleicht unangenehmen, aber letztendlich gesünderen“ natürlichen Geburt und des Kaiserschnittes „im Notfall“, ohne dass dies konkret begründet wäre. Dazu passend scheinen sich alle offiziellen Empfehlungen einig zu sein: Es müsse eine medizinische Indikation wie zu enge Becken oder falsche Lage des Kindes geben, bevor zum Skalpell gegriffen werde. So rät die WHO recht willkürlich, die Kaiserschnittrate unter 15% zu halten.
Habe man vor den Schmerzen Angst, so liest man auf Klinikseiten, solle man sich doch lieber in therapeutische Betreuung begeben. Das hätten ja auch Millionen andere Frauen schon geschafft, also packe man das schon auch!

Je weniger ich über das Thema erfahren konnte, desto mehr trieb es mich um. Doch mit jeder weiteren suboptimal verlaufenden natürlichen Geburt wurde meine Skepsis größer.
Letzte Woche stieß ich nun mehr durch Zufall als mit Absicht auf ein e-book zum Thema, welches mir zumindest sagen wir 80% der gewünschten Daten und Statistiken lieferte. Zugegeben – der Titel „Königsweg Kaiserschnitt“ der Autorin Dr. med. Martina Lenzen-Schulte klingt nicht sehr objektiv. Jede der genannten Fakten und Zahlen ist jedoch mit Studien oder Statistiken belegt, die ich stichprobenhaft geprüft habe. Hier also die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick, mit meinem Senf dazu:

  1. Realität heutiger Geburten:
  • Laut repräsentativen Studien aus Bayern und Norddeutschland kamen im Jahr 2013 nur 28% aller Geburten ohne medizinische Eingriffe aus (der Rest: 33% Kaiserschnitte, 7% Zangen- oder Saugglocken-Geburten, 32% mindestens Dammschnitt, Geburtseinleitung oder PDA). Laut Hebammenvereinigung sind es sogar nur 7%.
    -> Warum werden die medizinischen Eingriffe bei der überwältigenden Mehrheit der „anormalen“ Geburten zwischen 72 oder 93% notwendig, wenn doch die normale Geburt das erstrebenswerte Ideal ist? Kann man diese hohe Zahl wirklich einer Profitorientierung der Klinik, mangelndem Mut des Arztes oder einem Fehler anlasten?
  • Das deutsche Durchschnittsalter für Geburten lag im Jahr 2011 bei 30,2 Jahren. 40% dieser Frauen waren übergewichtig (14% adipös), 11% rauchten bis zur Geburt und 4% gebaren Mehrlinge.
    Das beste Alter für Geburten liegt jedoch bei 25 bis 30 Jahren und adipöse Frauen haben mit einer deutlich erhöhten Komplikationsrate zu rechnen (schwere Kinder und kaum abtastbarer Bauch)
    -> Schon vor dem Hintergrund dieser „nicht idealen“ Realität ist also zu fragen, ob eine natürliche Geburt wirklich besser ist als ein Kaiserschnitt
  • 31% von 282 Londoner Frauenärztinnen gaben bereits 1997 an, einen geplanten Kaiserschnitt zu bevorzugen – zumeist, um ein Beckenbodentrauma zu vermeiden. Bei Kindern mit einem Gewicht über 4 kg sind es unter den US-amerikanischen Kolleginnen 2001 70%, ab 4,5 kg 88%. Bei deutschen Hebammen liegt dieser Anteil immerhin bei 20%.
    Passend dazu lässt sich eine Grundtendenz beobachten, dass fachnahe Mediziner überdurchschnittlich häufig zum Kaiserschnitt tendieren.
    -> Leute die sich mit dem Thema besser auskennen, neigen eher zum Kaiserschnitt als die Durchschnittsfrau. Das sollte einem zu denken geben.
  • Damit verwandt: Frauenärzte machen etwa doppelt so oft selbst Kaiserschnitte wie sie ihren Patienten raten (leider keine Zahl angegeben)
  • 97% chinesischer Frauen, die per Kaiserschnitt entbunden haben, sind zufrieden mit ihrer Geburt. Bei natürlichen Geburten liegt diese Rate bei 55%.
    -> Die Chinesen mögen anders ticken als wir, die Statistik ist aber schon aufschlussreich
  • Etwa die Hälfte einer repräsentativen Gruppe britischer Frauen versuchte nach einem Kaiserschnitt, vaginal zu entbinden. Die hohe Rate wird vor allem auf unfreiwillige sekundäre und Not-Kaiserschnitte zurückgeführt.
    -> Nicht nur der Kaiserschnitt an sich, sondern die Umstände der Operation scheinen bei der Bewertung des Kaiserschnitts eine große Rolle zu spielen. Evtl. handelte es sich bei den Chinesinnen um Wunschkaiserschnitte?
  1. Verlauf und Folgen einer natürlichen Geburt:
  • Der Ausgang einer natürlichen Geburt ist nach heutigem Kenntnisstand nicht gut vorhersehbar. Entsprechend werden 46% der Geburten falsch vorhergesagt. Mehr als 50% der Ärzte sind nicht in der Lage, die Position des Kindskopfes oder die Weitung des Muttermundes richtig zu bestimmen
    -> Vor und während einer natürlichen Geburt gibt es keine gute Informationslage und es wird einfach viel geraten
  • In den Niederlanden mit traditionell geringen Kaiserschnittraten müssen 18% der Babies mit der Saugglocke oder Zange geholt werden
    -> Weil man den Kaiserschnitt vermeidet, werden damit fast jeder fünften Frau die folgenreichen Beckenboden-Verletzungen dieses Eingriffes zugemutet. 
  • An der Berliner Charité hatten 2009 22% aller vaginal entbindenden Frauen Dammschnitte, 9% Saugglocken- oder Zangengeburten und 2% Notkaiserschnitte. 32% hatten einen Dammriss, 3% Plazentaablösungsstörungen, 17% Scheidenrisse, 11% Labien- oder Klitorisrisse. 34% wurden “Geburtskomplikationen” und 25% “andere Weichteilverletzungen” attestiert (Mehrfachnennungen möglich).
    -> Bei mindestens einem Drittel der Frauen passiert bei einer natürlichen Geburt also mindestens ein zu behandelnder Zwischenfall. 
  • Manche Frauen sind genetisch aufgrund der Muskelwände ihrer Gebärmutter nicht gut für Wehen geeignet, übertragen daher eher und haben Schwierigkeiten, die Anweisungen der Hebamme umzusetzen
    -> Diese Frauen werden also trotz viel Vorbereitung und Ehrgeiz langwierige Wehen mit evtl. anschließendem Kaiserschnitt haben, sie können nichts dafür
  • Zitat eines Chefarztes: „Die erste Geburt dauert etwa 12 bis 18 Stunden, die zweite 6 bis 8, die dritte 20 Minuten, bei der vierten fällt das Kind fast raus. Das liegt an der Aufdehnung des Geburtskanals. Keiner soll mir sagen, dass alles ‚intakt’ bleibt“.
    -> Macht Sinn. Wissenschaftlich ist das aber scheinbar noch nicht näher überprüft, was ich für ein ziemliches Phänomen halte
  • Zitat eines weiteren Chefarztes mit mehr als 30 Jahren Erfahrung: „Ich bin der Ansicht, eine natürliche Geburt ist eine Körperverletzung
  • 20 Jahre nach einer vaginalen Geburt ist das Risiko einer Harninkontinenz um 67% höher gegenüber einer Geburt nach dem Kaiserschnitt
  • 31% aller Frauen sind nach der natürlichen Geburt von einer Art der Harninkontinenz betroffen (dazu gehört auch eine schwache Blase)
  • 11% aller Frauen erleiden Schäden am Schließmuskel
  • Keine der gängigen Hebammenpraktiken zur Vermeidung von Dammverletzungen erwies sich als nachweislich hilfreich
  • Das Geburtserlebnis von Frauen wird nach einer Zangen- oder Saugglocken deutlich schlechter bewertet als nach einem ungewollten Kaiserschnitt
  • Ob das „Lost Penis“ Syndrom eher bei natürlichen als bei Kaiserschnitt-Geburten auftritt, ist noch unerforscht. Man vermutet, dass es nicht (nur) an der Überdehnung des Geburtskanals liegen könnte, sondern an einem durch die Schwangerschaft geschwächten Beckenboden.
  1. Der Verlauf von Hausgeburten, dem Ideal der Natürlichkeit:
  • In Holland bemühen sich 89% der Frauen um eine Hausgeburt oder eine Geburt im Geburtshaus
    Nur 17% aller Hausgeburten bleiben wirklich einer Klinik fern, und nur 10% werden unter ausschließlicher Leitung einer Hebamme durchgeführt. 73% werden als Klinikgeburt abgeschlossen.
    -> Die Statistik basiert dank des hohen Anteils an Hausgeburten auf einer sehr guten Datenbasis, das Ergebnis spricht für sich.
  • Das Sterblichkeitsrisiko der Babies steigt bei Hausgeburten um das 7-fache
  1. Kaiserschnitt:
  • Nach einem Kaiserschnitt kann bei einer zweiten natürlichen Geburt in seltenen Fällen die Gebärmutter reißen (bis zu 2% Wahrscheinlichkeit bei Querschnitt), was mit einer lebensbedrohlichen Gefährdung für Mutter und Kind einhergehen kann
    -> Es ist risikoärmer, nach einem Kaiserschnitt keine vaginale Geburt zu probieren
  • Nach einem Kaiserschnitt tendiert die Plazenta häufiger als nach einer natürlichen Geburt dazu, den Muttermund zu blockieren, wodurch eine zukünftige vaginale Geburt unmöglich wird. (Wahrscheinlichkeit beim Kaiserschnitt 0,8% versus 0,3% bei der natürlichen Geburt)
  • Nach einem Kaiserschnitt tendiert die Plazenta ebenso häufiger als nach einer natürlichen Geburt dazu, an der Gebärmutterwand festzuwachsen (8 bis 14 mal häufiger), was starke Blutungen und im schlimmsten Fall eine Gebärmutterentfernung nach sich ziehen kann. Dies ist jedoch ein absoluter Ausnahmefall (0,06%)
  • Nach einem Kaiserschnitt wird eine Pause von einem Jahr bis zur nächsten Schwangerschaft empfohlen, um die frischen Narben zu schonen.
    -> Wer es also ganz eilig hat, muss beim zweiten Kind bei geplantem Kaiserschnitt ein Risiko eingehen oder vaginal entbinden.
  • Kinder von Diabetikern bekommen eher dann auch Diabetes, wenn sie per Kaiserschnitt auf die Welt kommen sind (Wahrscheinlichkeit von 4,8% gegenüber 2,2% bei der natürlichen Geburt.)
  • In früheren Zeiten führte man den Kaiserschnitt sehr früh durch, um Spontangeburten zu verhindern (37./38. Woche) – dadurch waren die Lungen der Kinder häufig noch unterentwickelt und benötigten nach der Geburt eine zusätzliche Beatmung. Heutige Kaiserschnitte werden meist in oder nach der 39. Woche geholt und das Risiko von schwerwiegenden Atemproblemen liegt ebenso wie bei der vaginalen Geburt bei 1%
    -> Das mit den Atemproblemen ist kein echtes Problem und vor allem nicht mehr Kaiserschnitt-spezifisch. Trotzdem heißt dies auch, dass es bei früh geholten Kaiserschnitt-Babies zu Atemproblemen kommen kann, auch wenn diese nicht schwerwiegend sind.
  • Der Kaiserschnitt verringert lebensbedrohliche Risiken für das Kind um 66% und auch die Wahrscheinlichkeit schwerwiegender Schäden wird deutlich verringert (z.B. Lähmung, Hirnschädigung)
  • Von 150 Wiener Müttern mit Wahlkaiserschnitt hatten 4% Kopfschmerzen von der Anästhesie, und eine Frau Atemnot. Insgesamt gab es 5% Komplikationen. Der ph-Wert in der Nabelschnur war deutlich besser gegenüber vaginalen Geburten
    -> Ergo: Es gibt deutlich weniger und auch harmlosere Komplikationen bei der Kaiserschnitt-Geburt. Nicht auftauchen tun hier jedoch Operationsrisiken wie Blutverlust sowie spätere Folgen wie Thrombosen bei der Mutter, daher ist die Statistik mit Vorsicht zu genießen (zumal die Datenbasis klein ist)
  • Es gibt eine nachweisbare positive Korrelation zwischen Berufserfahrung sowie Spezialisierungsgrad der Ärzte und der Wahrscheinlichkeit, dass sie zum Kaiserschnitt raten.
    -> Es ist daher wahrscheinlicher, dass erfahrene Ärzte um das reelle Risiko natürlicher Geburten wissen und diese deswegen eher vermeiden, als dass sie mehr Geld verdienen wollen.
  • Sekundäre oder Notkaiserschnitte werden in mehr als 70% der Fälle durchgeführt, weil die natürliche Geburt nicht voranging oder Schäden drohten
    -> Dieses Versagen wird der natürlichen Geburt aber nicht angehängt, die folgenden erhöhten Komplikationen werden dagegen unter „Kaiserschnitt“ geführt
  • Bei einer Studie von 1997 bis 1999 starben 63 von 100.000 Frauen, 29 nach vaginalen Geburten und 34 nach Kaiserschnitten. Von den Kaiserschnitten waren 28 Noteingriffe
    -> Die Todesursache der Notkaiserschnitte ist also wahrscheinlich zu einem großen Teil nicht auf den Kaiserschnitt, sondern auf die bereits bestehenden Komplikationen zurückzuführen (wie Schwierigkeit eines Kaiserschnitts bei gleichzeitigen Wehen, Baby im Geburtskanal etc.). Man bedenke hier, dass diese 28 Fälle den natürlichen Geburten  zuzurechnen wären, würde es den Kaiserschnitt nicht geben. Diese “Verlustrate” bei der natürlichen Geburt müsste eigentlich in diesen Statistiken berücksichtigt werden. Zudem ist die Studie relativ alt und der Kaiserschnitt hat sich seit dem weiterentwickelt.
  • Das Komplikationsrisiko bei einem nicht geplanten Kaiserschnitt ist 1,6- bis 4-mal höher als bei einem geplanten.
    -> Es ist sehr wichtig, zwischen einem sekundären bzw. Notkaiserschnitt und Wunschkaiserschnitt zu differenzieren
  • Eine Studie über 22 Jahren zeigt, dass Kliniken mit den höchsten Kaiserschnittraten die wenigsten Todesfälle haben
  • Eine Vergleichsstudie zum Wohlbefinden der Kinder zeigt, dass dieses bei Kindern mit geplantem Kaiserschnitt genauso gut ist wie bei einer Geburt ohne Zwischenfälle

Was das Buch leider nicht ausführlich behandelt, sind die Risiken des Kaiserschnitts, die aufgrund des operativen Eingriffs entstehen. Diese musste ich anderen Quellen entnehmen, wo sie leider wie immer nicht quantifiziert waren – dazu gehören, wie bei jeder Operation, Blutungen, Infektionsrisiken, Gewebeverletzungen benachbarter Organe, Wundheilungsstörungen sowie Thrombose durch mangelnde Bewegung nach der Operation. Denkbar, wenn auch nicht wahrscheinlich, ist auch das bewusste “Cherrypicking” von Studien durch die Autorin – angesichts der umfangreichen Datenbasis halte ich dies für nicht sehr wahrscheinlich. Für widersprechende wissenschaftliche Fakten zum Thema wäre ich dem Leser dennoch dankbar.
Als letzter einschränkender Punkt bleiben bisher unbestätigte Verdachtsmomente wie Allergien, mögliche Vorteile selbst ausgelöster Wehen sowie ein besseres Immunsystem – diese müssen in Zukunft noch erforscht werden, um ein wirklich abschließendes Bild vom Kaiserschnitt zu liefern.

Auf Grundlage obiger Fakten lässt sich zum heutigen Zeitpunkt meines Erachtens jedoch sagen, dass von einem objektiv-medizinischen Standpunkt betrachtet der primäre Kaiserschnitt für alle Frauen die bessere Wahl ist, die nicht mehr als zwei Kinder haben möchten und keine besonders negative Prädisposition für Operationen im Allgemeinen haben.

Meine Entscheidung steht jedenfalls, auch wenn ich damit vermutlich noch eine ganze Weile allein stehen werde. Zumindest in Deutschland – in Indien ist der Wunschkaiserschnitt gang und gäbe.


Bildquelle: “Wie Vater und Mutter ein Kind bekommen” von Per Holm Knudsen. Das Buch gibt es auch als Filmversion.
Buchquelle: “Königsweg Kaiserschnitt” von Dr. med. Martina Lenzen-Schulte

9 Comments on Die Kaiserschnitt-Verschwörung

  1. NadjaW. // 16/05/2014 at 23:33 // Reply

    das war wirklich sehr informativ!

  2. Karina // 08/07/2014 at 23:09 // Reply

    Hi,

    also ich kann die hier dargestellten Daten überhaupt nicht nachvollziehen. Mag sein, dass Fr. Schlute Lenzen das so recherchiert hat, aber einige Daten wurden entweder unrichtig abgeschrieben, oder aber bewusst falsch interpretiert.

    Z.B. 6% Rupturrate nach Kaiserschnitt. Das ist viel zu hoch angesetzt. die Rupturrate liegt nach einem Kaiserschnitt mit uterinem Querschnitt bei ca. 0,5%. Also 5 von 1000 Frauen, die in der Vergangenheit einen Kaiserschnitt hatten, erleiden eine Ruptur. Diese werden meistens schnell genug erkannt, nur 5% der Babys, von den 0,5% Rupturen versterben. Es müssten lt. andere Studien mindestens 370 Kaiserschnitte durchgeführt werden, um eine Ruptur zu vermeiden.

    Als Ärztin, die selbst in der Geburtshilfe tätig ist, kann ich nur sagen, es ist absoluter Humbug, dass Frauen nach 2 Geburten so aufgedehnt sind, dass das 3. Kind einfach herausfällt, auch nicht im übertragenen Sinne.

    Was ausserdem überhaupt nicht stimmt ist die Tatsache, dass bei 10% aller Geburten angeblich ein Notkaiserschnitt fällig ist und dass 20% der Frauen einen Dammschnitt benötigen. Dazu haben wir die Daten unsere Klinik ausgewertet und das ist Quatsch. Wir haben z.B. 22,5% Kaiserschnitte, 4% Epirate, 2,2% Notsectiorate (die durchscnittliche Rate liegt Bundesweit ca bei 3,6%).

    18% Zangengeburten in den Niederlanden: Sorry aber das fürchte ich, trifft nicht zu. Heutzutage wird in allen entwickelten Industrienationen die für den mütterlichen Geburtskanal wesentlich sanftere Geburt mittels Saugglocke gewählt, wenn denn überhaupt ein derartiger Eingriff nötig ist.

    Weitere Informationen: siehe Faktencheck Kaiserschnitt von 2012. Das Bundesland Sachsen hat die niedrigste Perinatalsterblichkeit in ganz Deutschland und die niedrigste Kaiserschnittrate Deutschlands. Genau damit ist doch bewiesen, dass Kaiserschnitte nicht per se sicherer für´s Kind sind. Sonst hätten doch die Bundeslander in Deutschland und auch die Länder im internationalen Vergleich mit der höchsten Kaiserschnittrate auch die niedriste perinatale Sterblichkeit. Dem ist aber längst nicht so. Norwegen hat europaweit die niedriste Sterblichkeit und eine der nierigsten Kaiserschnittraten.

    Zum Inkontinenzproblem: Ein Kaiserschnitt ist keine Garantie, später nicht trotzdem Beckenbodenprobleme zu bekommen. Es gibt eine Studie an Nonnen und eine Studie an jungen sportlich aktiven Frauen, die jeweils nie geboren hatten. Trotzdem hatte in beiden Gruppen ein gewisser Anteil der Frauen Inkontinenzprobleme.

    Zum Thema Hausgeburt: da gibt es sogar eine Cochrane Veröffentlichung und die Wissenschafter resümieren: There is no strong evidence from randomised trials to favour either planned hospital birth or planned home birth for low-risk pregnant women.

    Die Verlegungsraten bei Hausgeburten liegen in Deutschland übrigens bei Erstgebärenden Frauen bei 20% und bei Mehrgebärenden bei ca. 6%. Verlegung heißt aber nicht Notfall, sondern nur dass einer der Beteiligten in die Klinik wollte, aus unterschiedlichen Gründen. Notfallmäßige Verlegungen kommen nur in ca. 6% der Verlegungen von. Daten sind öffentlich bei Quag.de einsehbar.
    In den Niederlanden gibt es ca. 30% Hausgeburten, die auch wirklich zu Hause stattfinden. Die Velegungsrate ist keinesfalls so hoch, wie beschrieben, denn 30% aller Frauen kommen eh nicht für eine Hausgeburt in Frage, weitere 30% entscheiden sich von vornherein für eine Klinik.

    Gute und objektive Literatur zum Kaiserschnitt gibts leider selten. Das liegt aus meiner Sicht daran, dass sie einige Leute, die dazu veröffentlichen, ihre eigenen Geburtstraumata schönreden oder in irgend einer Weise damit nicht klar kommen, wie sie geboren haben. Dann wird der Kaiserschnitt entweder maximal verteufelt, oder in den Himmel gehoben.

    Es gibt die beiden Autorinnen Taschner und Scheck, die beide Geburtsarten erlebt haben, nämlich jeweils 2 Kaiserschnitte und danach eine Spontangeburt.

    Sie haben das Buch “Meine Wunschgeburt-Selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt” veröffentlicht.

    Es ist sehr objektiv und beschönigt auch nichts. Wenn überhaupt dann findet man dort gute Argumente pro und kontra Kaiserschnitt.

    Es geht ja schließlich nicht darum, Argumente für Wunschkaiserschnitte zu sammeln, sondern sich ein realistisches Bild über Geburten zu schaffen. Und Geburt muss kein Horror sein. Viel liegt an guter und einfühlsamer Belgeitung. Daran mangelt es jedoch leider in den meisten Kliniken und dann kommen solche Horrorgeschichten zu Stande.

    lg Kari

    • Hallo Kari,

      vielen lieben Dank schon einmal für diesen ausführlichen und konstruktiven Kommentar. Inhaltlich kann ich dazu leider im Moment nicht viel sagen, außer dass ich mir recht sicher bin, zumindest selbst nicht unrichtig abgeschrieben zu haben. (Das kann sicherlich immer mal vorkommen, ich habe jedoch speziell darauf geachtet korrekt wiederzugeben, daher ist es nicht sehr wahrscheinlich). Frau Lenzen-Schultes Buch erschien mir auf Grundlage der reichen Quelllage und auch einzelner eigener Überprüfungen der zugrunde gelegten Quellen als seriös.
      Wenn Deine Quellen verlässlich und wissenschaftlich fundiert sind (dazu kann ich gerade nichts sagen), gibt es hier offenbar einen Widerspruch. Wie erklärst Du Dir diesen, wenn man einmal von absichtlicher Faktenfälschung absieht? Ich finde es obskur, dass der doch inzwischen sehr gängige Kaiserschnitt offenbar derart schlecht untersucht ist, dass solche statistischen Widersprüche und wissenschaftlich unterschiedliche Bewertungen überhaupt möglich sind….ich werde mir auf jeden Fall einmal Deinen Buchtipp zu Gemüte führen, vielen Dank für den Hinweis. Vielleicht dann mehr später, wenn ich mich noch einmal näher mit den Fakten auseinander gesetzt habe.

      Gruß,
      Anna

  3. Karina // 09/07/2014 at 01:25 // Reply

    Liebe Anna,

    es hängt teils davon ab, wie alt die Studien sind und wie sie gemacht sind.

    In viele medizinische Vorgänge gehen ja unendlich viele Faktoren mit ein, die man teils gar nicht auseinander halten kann.

    Dann ist es so, dass die OP Techniken sich von Land zu Land teils deutlich unterscheiden.

    Nur ein Beispiel: beim Kaiserschnitt kann unterschiedliches Nahtmaterial verwendet werden, die Schnittführung kann unterschiedlich sein und es kann ein- oder zweischichtig genäht werden. Mit Einzelknopfnähten oder fortlaufender Naht.

    Dann kann man den Faden sehr fest spannen, oder eher locker nähen, mit Ecknaht oder ohne spezielle Ecknaht und mit mehr oder weniger ausführlicher Blutstillung während der OP.

    Wie willst Du das jetzt vergleichen, wenn es allein hier schon so unterschiedliche Techniken gibt. Die unterscheiden sich von Klinik zu Klinik, von Operateur zu Operateur und von Land zu Land.

    Wenn Du also ne Studie nimmst, die in den USA vor 10 Jahren publiziert wurde, dann kannst Du die Ergebnisse fast nicht auf die Situation heute in Deutschland übertragen.

    Weiteres Beispiel:
    Dazu kommt noch, dass jede Frau ja auch unterschiedliches Gewebe hat und teils auch Vorerkrankungen vorhanden sind.

    Du möchtest jetzt nur geplante Kaiserschnitte ohne medizinische Indikation vergleichen: Es gibt aber Frauen, die haben latent hohe Blutzuckerspiegel und auch die Thromboseneigung ist verschieden. Dann gibt es noch Frauen, die sind leicht, mittel oder schwer übergewichtig. Alles sind Faktoren, welche die Wundheilungschancen und/oder das Thromboserisiko verändern.

    Alles Faktoren, welche Studienergebnisse verändern und Dein individuelles Risiko verändern können, was man aber nur sehr schwer rausrechnen kann.

    Da die Studien so unterschiedlich sind, wird jeder Autor und jede Autorin sich auch ein bisschen das raussuchen, was gut zur persönlichen Sichtweise passt, oder sich die Dinge zurecht interpretieren. Frau Schulte Lenzen hatte z.B. nur Kaiserschnitte und nie eine natürliche Geburt.
    Und das Buch “Meine Wunschgeburt” zitiert auch unglaublich viele Quellen und vor allem interpretieren die Autoren nicht, sondern nennen nur die Studien. Das ist in meinen Augen ein Unterschied.

    Ehrlich gesagt, aber das ist nur meine persönliche Meinung: Wenn Du Dir unbedingt einen Wunschkaiserschnitt wünschst, dann mach das!

    Wie es bei Dir persönlich ausgeht, kann Dir eh niemand vorher sagen.

    Aber warte für Dich und Dein Kind den Wehenbeginn ab. Seit wir das in der Klinik praktizieren, muss fast kein Kind mehr wegen Anpassungsstörungen verlegt werden,

    Ausserdem such Dir ne Klinik, die Bonding direkt im OP anbietet. Das ist wunderschön und nicht zu vergleichen mit Kaiserschnitten, wo das Kind beim Zunähen weg kommt.

    Bereite Dich gut vor. Suche Dir vorab vielleicht ne Haushaltshilfe, die Dich nach OP ein bisschen unterstützt.
    Beweg Dich, so schnell Du kannst nach der OP, aber in Maßen. Laß Dir genug Schmerzmittel geben. Wenn Du stillst, leg so oft, wie möglich an und laß Dir viel helfen am Anfang.

    Stelle Dich vorher auf Schmerzen nach dem Eingriff ein. Und stelle Dich drauf ein, dass Pipi und Kacka erstmal nicht so gut klappen und dass Du in den ersten Tagen nach OP einen fürchterlichen Blähbauch haben könntest.

    Es gibt sicherlich noch ein paar mehr Dinge, die man beachten kann, aber ich schreib hier ja auch keinen KS – Ratgeber.

    Ich meine, dass man ebenso viele Argumente oder mehr für die natürliche Geburt finden kann, wie für einen geplanten Kaiserschnitt.
    Aber warum willst Du Deinen Wunsch wissenschaftlich legitimieren? Das musst Du doch gar nicht!
    Das hat ja immer gleich den Anschein von missionieren wollen.

    Jemand, der sich eigentlich sehr, sehr gern eine natürliche Geburt wünscht, wird sich kaum davon abhalten lassen, wenn Studien zeigen, dass der Kaiserschnitt angeblich sicherer für das Kind ist.

    Es hängt halt stark von der eigenen Sichtweise ab.

    Alles Gute

    lg Kari

    ps.s einen Teil der Studien hab ich aus der Wunschgeburt, ein Teil stammt aus Faktencheck Kaiserschnitt, dann QUAG und die Leitlinie zur der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe zur Geburtsleitung nach Kaiserschnitt bezüglich der Rupturraten, sowie uterine rupture aus e-medicine zu den Komplikationsraten bei den Kindern nach Ruptur.

  4. Karina // 09/07/2014 at 16:29 // Reply

    Hi, nochmal ich.

    Es gibt eine amerikanische Leitlinie zum Wunschkaiserschnitt.

    Da sind die entsprechenden Pro´s und Kontra´s sehr genau aufgelistet und da wird anhand von Studien der geplante primäre Kaiserschnitt verglichen mit der natürlichen Geburt unter Berücksichtigung von möglicherweise nötigen sekundären Kaiserschnitten und Notkaiserschnitten. Diese wurden demnach der vaginalen Geburt zugerechnet, als Risiken.

    https://www.acog.org/Resources-And-Publications/Committee-Opinions/Committee-on-Obstetric-Practice/Cesarean-Delivery-on-Maternal-Request

    Ich finde, diese Literaturquelle ist nun wirklich gut und objektiv und hat nichts mit den tendenziösen Aussagen aus dem von Dir zitieren Buch gemeinsam. Ich bin echt erschrocken darüber, daß eine Ärztin und Journalistin ein derartig ungenau recherchiertes Buch veröffentlicht.

    liebe Grüße Kari

    • Vorab: Meine Antwort ist sehr lang geworden, sorry dafür – ob und wie du sie liest ist natürlich Dir überlassen, mir war es nur wichtig, mich noch einmal ausführlich zum Thema zu äußern und auch zu dem von Dir genannten Buch….also, here it comes:

      Hallo Kari,

      danke nochmal für die Menge an konstruktivem Feedback – fundierte Kommentare sind selten und immer eine Freude. Da Deine Kritik an dem von mir zitierten Buch doch sehr stichhaltig wirkte, habe ich das Thema nun noch einmal aufgerollt. Denn – anders als der eine oder andere mir schon vorgehalten hat – bin ich keineswegs per se „für“ den Kaiserschnitt, es geht mir nur darum, wirklich einmal objektiv zu überprüfen, welche Geburtsform aus medizinischer Sicht die risikolosere ist. Eben weil ich – siehe mein Text – in den letzten Jahren immer mehr den Eindruck bekommen habe, dass das Thema sehr verklärt und keineswegs rational behandelt wird. Auch auf mich wirkt es erst mal kontra-intuitiv, dass eine Operation besser sein soll als der von der Natur vorgesehene Weg. Wenn glaubwürdige Zahlen jedoch dafür sprechen, dann muss diese Realität so akzeptiert werden – ob es dem eigenen Weltbild entspricht oder nicht.
      Ich habe mir in der Erwartung, stichhaltige Widerlegungen von Frau Lenzen-Schultes Faktensammlung zu finden, sowohl das empfohlene Buch gekauft als auch die Leitlinie gelesen und mir den quag.de Jahresbericht angeschaut. Das Buch und die Leitlinie haben meine Erwartungen aber ehrlich gesagt größtenteils enttäuscht. Über das Buch habe ich mich beim Lesen aufgrund dessen Unwissenschaftlichkeit nahezu geärgert, aber dazu später noch. Erst mal zu Deinen einzelnen Kritikpunkten:

      • Zur Rupturrate nach Kaiserschnitt: Da habe ich Frau Lenzen-Schulte etwas missverständlich zitiert, es heißt bei ihr „wird mit bis zu 6% beziffert“. Dabei bezieht sie sich auf eine Publikation von 2006. Dort heißt es: „Die Häufigkeit der Narbendehiszenzen bzw. ‐ruptur beträgt bei uterinem Querschnitt 0,06 bis 2 %, nach uterinem Längsschnitt bis zu 6 %”. Insofern ist da kein Widerspruch. Im Gegenteil finde ich, dass die Nennung der höheren Zahl trotz der Tatsache, dass der Querschnitt gängiger ist, für Frau Lenzen-Schultes Objektivität spricht.

      • Zur Notkaiserschnittrate bei der „Wiener Studie“: Ich habe da mal nachgeforscht auf den Seiten der Wiener Klinik und dort auch keine Bestätigung gefunden. Im Jahr 2003 waren es wohl unter 2% (2012 auch noch). Insofern hast Du Recht, das ist Quatsch. Habe es erst mal aus meinem Text rausgenommen. Dass wiederum im Jahr 20% der Frauen an dieser Wiener Klinik einen Dammschnitt bekommen haben, stimmt aber (heute sind es allerdings 11%, was ja relevanter ist). Allerdings machen die Österreicher das wohl auch öfter als die Deutschen.

      • Zu den 18% Zangengeburten in den Niederlanden: Das war mein Fehler. Frau Lenzen-Schultes spricht von „Zangen- und Saugglockengeburten“. Das habe ich gerade korrigiert. Diese Rate bezieht sich wiederum auf 800.000 Geburten, kann also zumindest für die Niederlande (wo ja Kaiserschnitte vermieden werden) als verlässlich gelten.

      • Aufdehnung des Geburtskanals: Was das „herausfallende“ Kind angeht wird das in meinem Text auch nicht so gesagt. Die Aussage war ja eher, dass schon wegen der verschnellerten Geburt von einem gedehnten Gewebe ausgegangen werden kann (ohne dass dieses deswegen völlig ausgeleiert sein muss).

      • Zur geringen Perinatalsterblichkeit in Sachsen bei gleichzeitig geringen Kaiserschnittraten: Das ist zunächst einmal nur ein Indikator dafür, dass Vaginalgeburten nicht tödlicher sind als Kaiserschnitte. Da bei einer Geburt auch viele andere Sachen schief gehen können, sagt diese Tatsache jedoch nichts über andere mögliche Vorteile des Kaiserschnittes aus (Stichwort Kindesverletzung, Inkontinenz u.v.m.)

      • Inkontinenz: Die tritt – auch das sagt die Autorin – nicht nur nach vaginalen Entbindungen auf, aber eben häufiger.

      • Zum Thema Hausgeburt: Im Quag Jahresbericht steht wie Du ja selbst sagst, dass 20% aller geplanten außerklinischen Geburten im Endeffekt klinisch geboren wurden. „Außerklinisch“ bezieht sich hierbei aber nach meinem Verständnis auf Hausgeburten und Geburtshäuser. Daher bin ich mir nicht sicher, inwieweit sich die Zahlen in diesem Kontext überhaupt eignen. Ein weiterer Punkt sind die Verlegungsgründe. Die mögen „unterschiedlich“ sein, wie Du sagst, aber hängen doch immer mit einem medizinischen Befund zusammen, wie der Jahresbericht ja auch ausführlich auflistet. Ich denke nicht, dass eine Frau, die sich bewusst für eine außerklinische Geburt entschieden hat, sich einfach so aus Lust während des Geburtsprozesses verlegen lässt.
      Verifizieren kann ich die von Lenzen-Schultes genannten 17% erfolgreiche Hausgeburten an dieser Stelle aber nicht, da ich keine Einsicht in die Quelle habe (eine Studie von Dr. Arabin et al.). Bisher habe ich jedoch keinen Grund anzunehmen, dass es eine schlechte Quelle ist.

      • Problem der wissenschaftlichen Betrachtung der Geburt an sich: Sicherlich gibt es wie Du sagst viele Faktoren, die sich auf das Resultat einer Geburt auswirken. Das bedeutet aber erst einmal nur, dass die erforderlichen Statistiken komplexer sind bzw. mit dem entsprechenden Wissen gelesen werden müssen. Es bedeutet nicht, dass gar keine statistische Erfassung möglich ist. Denn dieser Grad an Komplexität gilt ja für die meisten statistischen Erhebungen. Deswegen gilt es, große Datenmengen zugrunde zu legen, um aussagekräftige Wahrscheinlichkeitsverteilungen zu erhalten, viele Faktoren zu berücksichtigen, und methodisch korrekt Kausalität von Korrelation zu unterscheiden. Wäre das nicht möglich, dann wäre ja gar keine wissenschaftliche Erhebung möglich, weil jeder Fall „individuell“ wäre.
      Konkret in unserem Fall: Solange beim Vergleich Kaiserschnitt vs. natürliche Geburt beide Fallgruppen repräsentativ sind, d.h. in beiden Gruppen dieselbe Verteilung von Prädispositionen vorkommen, sind Studien dann doch vergleichbar, egal welche Faktoren sonst noch eine Rolle gespielt haben. Es geht ja darum, was unter’m Strich dabei rauskommt.

      • Der Ausgang von Geburten: Dass man nicht weiß, wie eine Geburt ausgeht, stimmt für die vaginale Geburt, aber nur in wenigen Fällen für den Kaiserschnitt – das ist ja gerade sein Vorteil.

      Was nun das von Dir empfohlene Buch angeht, habe ich etwa das erste Drittel aufmerksam gelesen (wo es noch nicht so speziell um das Thema natürliche Geburt nach Kaiserschnitt geht, sondern allgemeiner über den Kaiserschnitt), und alles danach auf Zahlen, pro und kontra Listen und Verweise hin überflogen. Auf dieser Grundlage muss ich leider sagen, dass es wissenschaftlichen Standards kaum standhält und auch keinen objektiven Vergleich der beiden Geburtsarten bietet. Über die Risiken der vaginalen Geburt wird nicht hinreichend aufgeklärt und außerdem werden Risiken (auf beiden Seiten) häufig nicht quantifiziert, womit sie weitestgehend wertlos sind. In puncto Wissenschaftlichkeit kann das Buch nicht mit Frau Lenzen-Schultes Buch mithalten. Es wird vor allem interpretiert und wenig an Fakten aufgelistet, ganz besonders im ersten Teil. Viele Hypothesen werden nicht begründet und Fakten nicht belegt. Hier nur ein Beispiel: „Die Ausschüttung von Stresshormonen läuft den geburtsfördernden Hormonen zuwider und kann dadurch den physiologischen Ablauf einer Geburt beeinträchtigen. Eine unbekannte Umgebung kann sich demnach ungünstig auf den Geburtsverlauf auswirken…(…) Deshalb ist es eigentlich auch nicht verwunderlich, wenn Geburten in einem klinischen Umfeld manchmal nicht voran gehen..“ Derartige „kann“-Sätze gibt es in dem Buch häufig.

      Das fängt schon am Anfang an, wo mit einer einzigen Nennung der weitestgehend willkürlichen WHO-Empfehlung aus den 80er Jahren (!) einer maximal 15%igen Kaiserschnittrate jeder Zweifel aus dem Raum geschafft werden soll, dass Kaiserschnittraten über 15% medizinisch sinnvoll sind. Nach Nennung dieses einen, überhaupt nicht kritisch betrachten „Beweises“ wird kaum ein Versuch mehr unternommen, den Kaiserschnitt als medizinisch sinnvoll zu betrachten. Lediglich wird angeführt, dass die Kindessterblichkeit nach Anstieg der Kaiserschnittrate nicht abgenommen hat – was, siehe oben, aber nur als Teilargument gelten kann.

      Anstatt zu prüfen, inwiefern die vorgenommenen Kaiserschnitte schlechter gewesen wäre als die Alternative (z.B. Saugglocke) oder aber die heutigen gesundheitlichen Konsequenzen aller Geburten mit jenen vor 50 Jahren zu vergleichen (um über den Kindstod hinaus zu prüfen, welche anderen Folgen konkret durch den Kaiserschnitt verhindert wurden oder eben nicht), haben die Autorinnen gleich ein Arsenal an eigenen, weitestgehend schwach begründeten Hypothesen parat, die erklären sollen, dass die hohe Zahl der Kaiserschnitte unnötig ist: Sehr viele Kaiserschnitte lägen im Ermessen des Geburtshelfers und dieser greife aufgrund der heutzutage gängigen Pathologisierung der Geburt zu schnell zum Messer. Eine Pathologisierung messen die Autorinnen daran, dass “zu viel” untersucht und anhand von Normwerten überprüft wird. Dass diese Untersuchungen unnötig sind ist für die Autorinnen bereits ausgemachte Sache und zudem würden sie die Frauen nur verunsichern. Nichts davon wird bewiesen. Der Grundtenor des Buches ist, dass im Grunde alles gut und unkompliziert wäre, wenn man die Frauen nur in Ruhe lassen würde. Diese Hypothese könnte man ja historisch überprüfen oder anhand von Naturvölkern – das tun die Autorinnen aber nicht, daher bleibt es einfach nur eine Behauptung. Alternativ kann man die Grundannahme des Buches auch so lesen: “Die natürliche Geburt kann zwar unangenehme Folgen für die Frau haben, aber es ist schon falsch, diese überhaupt als ‘unangenehm’ zu bewerten. Anstatt dessen sollte man die Natur so akzeptieren wie sie ist und nicht versuchen, irgend etwas zu optimieren.” Für diese These bräuchte man aber kein Buch mit “wissenschaftlichen” Beweisen. Und man müsste sich der Frage stellen, ob dann nicht auch andere Eingriffe wie die PDA oder der Dammschnitt tabu sein sollten. Dass das Buch keinen hohen wissenschaftlichen Anspruch hat, merkt man ebenfalls schon zu Beginn, wo zur Unterstützung der vorgebrachten Hypothesen einige individuelle Fallbeispiele genannt werden sollen (also n=30).

      Es gibt noch sehr viel mehr Beispiele, deren Nennung ich mich gerade nicht enthalten kann:
      • wenn es als Widerspruch dargestellt wird, dass es „einerseits“ eine Tendenz zu minimalinvasiver Chirurgie gibt, und einem beim Kaiserschnitt dann „andererseits“ weiträumig der Bauchraum eröffnet wird (-> Scheinlogik)
      • wenn impliziert wird, dass die Frau mehr Vertrauen in sich hätte, wenn man ihr die gesundheitlichen Risiken mehr verschweigen würde (-> aus Unwissen erwächst kein Vertrauen, sondern Ignoranz und daher falsches Vertrauen)
      • wenn vereinfachend argumentiert wird, dass „selbst die umfassendste medizinische Absicherung dies (die risikofreie Geburt) nicht garantieren kann“ (-> Schwarz-Weiß-Logik – es geht nicht um eine „perfekte“ Geburt mit „Garantie“, sondern um eine bessere Geburt)
      • wenn es verurteilt wird, eine „erfolgreiche“ Geburt zu wünschen, da hieraus „überzogene Erwartungen“ resultieren würden (-> wieder geht es nur um „so erfolgreich wie realistisch möglich“. Daraus müssen keine überzogenen Erwartungen erwachsen, das ist einfach nur eine aufgeklärte Einstellung)
      • wenn gesagt wird, dass man vaginale Geburten deswegen anstreben sollte, damit die Geburtshelfer nicht die Übung verlieren (-> hier fragte ich mich das erste Mal, ob das Buch ein PR-Projekt von Hebammen ist)
      • die einseitige Darstellung „böser“ Gutachten der Versicherungen, die es wagen, Geburtsentscheidungen zu prüfen und zu objektivieren (-> Unterstellung)
      • die „Vermutung“, dass die mangelnde Expertise der Geburtshelfer zu Kaiserschnitten führe (-> wieder so eine vage Hypothese, das hätte man ja überprüfen können. Das Gegenteil ist nämlich der Fall)
      • die Warnung, dass der Kaiserschnitt zu psychischen Störungen der Mutter führen könne (-> der Kaiserschnitt führt vor allem aufgrund der gesellschaftlichen Verurteilung sowie der „Überraschung“ durch einen Not- oder sekundären Kaiserschnitt zu psychischen Störungen. Beides ließe sich durch mehr Aufklärung lösen)
      • der Hinweis, dass die nachträgliche kritische Prüfung niederländischer Geburtshelfer bezüglich der Notwendigkeit eines Kaiserschnitts die Kaiserschnittrate senkt. (-> Beispiel für eine schlechte Studie. Bereits im Set-up dieses Vorgehens ist ja schon eine Bevorzugung der Vaginalgeburt angelegt. Denn sinnvolle Resultate würde man nur erhalten, wenn man denselben Check auch für vaginale Entbindungen vornimmt – „hätten wir die Zwischenfälle bei dieser Geburt durch einen Kaiserschnitt verhindern können?“)
      • Risiken der vaginalen Entbindung werden über weite Strecken ausgeblendet und dazu aufgerufen, diese nicht zu „pathologisieren“, während vereinzelt verstreut weitestgehend unquantifizierte Risiken des Kaiserschnittes genannt werden. So wie hier: „So wissen die wenigsten Frauen, die sich für den Geburtsmodus des Kaiserschnittes entscheiden, darüber Bescheid, dass sie in einer weiteren Schwangerschaft mit Langzeitfolgen wie Plazentationsstörungen, Uterusruptur und vorzeitiger Planzentalösung rechnen müssen“. Angesichts der kleinen tatsächlichen Fallzahlen ist die Formulierung „rechnen müssen“ hier wohl kaum anbracht. Da es ja keine verhinderungswürdigen Risiken der vaginalen Geburt gibt, können also nur die Pathologisierung der Geburt, und auch psychische Störungen der Frauen mit Kaiserschnittwunsch vorliegen.
      • Risiken beider Geburtsarten werden oft nicht richtig wiedergegeben – entweder durch Auslassungen oder mangelnde Quantifizierung. Das führt dazu, dass beispielsweise die Weichteilverletzungen der natürlichen Geburt den möglichen Plazentakomplikationen des Kaiserschnitts derart gegenübergestellt werden, als wenn sie gleich wahrscheinlich wären. Oder die postoperativen Schmerzen eines Dammschnittes werden verschwiegen, während die postoperativen Schmerzen beim Kaiserschnitt deutlich betont werden. Einige Punkte wie „Anpassungsstörung“ werden nicht näher erklärt und hören sich daher viel schlimmer an als sie sind.

      Und so weiter…das soll hier keine Rezension des Buches werden (wenn es nicht schon eine geworden ist ☺ ). Gerade aufgrund der konkreten Informationen zum Thema „natürliche Geburt nach Kaiserschnitt“ ist das Buch sicherlich hilfreich als Coaching für Frauen, die bereits einen Kaiserschnitt hatten und nun eine natürliche Geburt anstreben. Ich glaube den Autorinnen auch, dass es zu dem Thema kaum Informationen auf dem Buchmarkt gibt. Es ist aber keineswegs eine ergebnisoffene, wissenschaftliche Abhandlung zur Frage, was die ganz konkreten Vor- und Nachteile der jeweiligen Geburtsarten sind.

      Vor diesem Hintergrund kann ich Dir Frau Lenzen-Schultes Buch wirklich nur empfehlen. Es ist bis auf wenige Partien, die eher ein Plädoyer als ein objektiver Vergleich sind, objektiv und gut recherchiert. Der teils polemische/humoristische Ton meines eigenen Textes hat mit dem Buch nichts gemein. Es ist auch übrigens nicht so überteuert wie Deine Buchempfehlung ☺

      Ich habe auch die amerikanische Leitlinie gelesen. Das Problem ist dort aber wie immer, dass zwar die pro und kontras aufgelistet werden, diese aber kaum quantifiziert werden. Darüber hinaus werden nicht alle Nebeneffekte der beiden Geburtsarten berücksichtigt. Daher kann man mit diesem Dokument einfach nicht sehr viel anfangen.

      Was nun meinen persönlichen Fall angeht: Eben nicht, ich wünsche mir nicht unbedingt einen Wunschkaiserschnitt, darum geht es nicht. Wie eingangs gesagt bin ich an der Wahrheit interessiert, und es ist nicht richtig zu sagen, dass es diese nicht gebe, weil jeder Fall anders und individuell ist. Zum einen sind da, wie auch im Text beschrieben, die Schilderungen aus meinem persönlichen Umfeld, in denen die Erstgeburt eigentlich immer problematisch war. Aber die sind nicht repräsentativ, deswegen habe ich mich auf die Suche nach wissenschaftlichen Fakten gemacht. Und hier gibt es Statistiken, die man verwenden und interpretieren kann. Solange ich bezüglich meiner gesundheitlichen Prädisposition kein Extremfall an den Rändern der Wahrscheinlichkeitsverteilung bin, sind diese auch auf mich anwendbar. Mit meinem Text wollte ich auch andere Frauen davon überzeugen, dass die Geburt wie auch andere biologische Prozesse ganz normal wissenschaftlich betrachtbar ist und zu einem mündigen, d.h. informierten Umgang aufrufen. Ich sehe das eher als Aufklärungsarbeit denn als missionarisch (das wäre ja, wenn ich es nicht begründen würde).

      Ich finde es total OK und verständlich, wenn jemand aus persönlichen oder emotionalen Gründen lieber eine natürliche Geburt haben will als einen Kaiserschnitt, auch wenn medizinisch ein paar Dinge dagegensprechen. Auch ich selbst bin da nicht unbetroffen, ich hätte eigentlich auch lieber eine „normale“ Geburt, wenn ich nicht wüsste, was da alles schief gehen kann. Ich plädiere nur dafür, dass man sich bei seiner Entscheidung dann nicht hinter pseudowissenschaflichen Aussagen oder wilden Vermutungen versteckt, sondern zu seinen persönlich-emotionalen Gründen steht.

      In diesem Sinne! Liebe Grüße,
      Anna

  5. Wenn du dir eine schöne, komplikationslose Geburt wünscht, such dir eine kompetente und dir sympathische Hausgeburtshebamme, mach vielleicht einen Hypnobirthingkurs, organisier dir zusätzlich eine Doula und einen Geburtspool… ja und dann, lass dich drauf ein. Angst ist immer der schlechteste Ratgeber… wer zu viel Angst hat verpasst das Leben; es gibt nicht für alles eine Versicherung!!! Das allerwichtigste beim gebären ist nämlich sich wohlzufühlen und loszulassen, die Kontrolle abzugeben; dann kommt es sogar selten zu Dammverletzungen und das Geburtserlebnis kann dich verwandeln… zu einer mutigen, starken Mutter machen (die psychologischen Veränderungen und Möglichkeiten sind enorm).

    Soviel dazu von mir… einer Psychologin, und Mutter zweier Kinder. Mein erstes Kind kam per sec. sectio in KH zur Welt und mein zweites habe ich 20 Monate später zu Hause geboren.

  6. Vielleicht werden hier ehrliche Antworten zum Gebären (Es heißt zwar Hausgeburtsforum, aber es geht grundsätzlich um alle Fragen der Geburt.) gefunden:
    http://www.hausgeburtsforum.de

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