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Amorgos’ rohe Schönheit


Amorgos ist vergleichbar mit Folegandros dahingehend, dass beide Inseln etwas Rohes an sich haben und bei Wanderern beliebt sind. Amorgos ist jedoch bergiger und auch deswegen spektakulärer bezüglich der Wanderwege und der Ausblicke. Entsprechend scheint die Insel auch weiter für das Wandern erschlossen zu sein – ich mache das an den auf allen Karten eingezeichneten Wanderwegen fest und der (weitestgehend) guten Markierung und Beschilderung der Wege. Amorgos war belebter als Folegandros, ohne aber deswegen sehr touristisch zu sein. Während Folegandros wie eine dünn besiedelte Insel wirkt, die plötzlich vom Ökotourismus entdeckt wurde und seine Preisstellung seitdem auf gut zahlende Touristen umgestellt hat, ist Amorgos eine normalere Insel bezüglich Bewohnerzahlen und Preisen. Insgesamt hat mir Amorgos etwas besser gefallen, auch wenn solche Vergleiche natürlich immer schwierig sind.

Mein erstes Highlight war das Kloster Chozoviotissas (I know…), welches vor Jahrhunderten halb in die Felswand, halb an sie geschmiegt, erbaut wurde und, weiß vor dem dunklen Felsen auf der Spitze einer steilen Treppe tronend, einen beim ersten Anblick absolut umhaut. (Ich will nicht wissen, wie viele Arbeitsunfälle es bei der Errichtung gab.)

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Hier startet auch die Wanderung auf dem Wanderweg 1 in den Norden nach Aegalis, mein zweites Highlight. Ich bin eigentlich kein Wandertyp, weil ich mich bei durchschnittlich aussehenden Landschaften und ohne besondere sportliche Challenge schnell langweile. Dieser Wanderweg hatte es aber in sich – die Aussichten gerade am Anfang und am Ende waren absolut spektakulär, und sportlich hatten die 15 bzw. 20 km (die offiziellen Angaben und meine iPhone Health App sind sich da uneinig) mit teilweisen steilen Aufstiegen und ohne Schatten es schon in sich. Atemberaubend ist hier wohl das passende Wort. Ich lasse die Bilder hier wieder für sich sprechen.

Der Weg war mit 4-5 Stunden angegeben und ich schaffte ihn in unter 3:30, an den Wandergruppen mittleren Alters vorbeiziehend, und fühlte mich großartig (die Fitnessmusik ersparte ich mir dieses Mal, die hätte auch nur die Atmosphäre kaputt gemacht).
In Aegalis angekommen belohnte ich mich mit einem unglaublich leckeren Fisch (“Seebrasse” – noch nie gegessen, erinnerte mich mal wieder daran dass es nicht nur Lachs gibt) bei Seeblick in wildem Wind auf einer Terrasse sitzend und einer anschließenden Massage bei einer deutschen Auswanderin.

Mein drittes Highlight: Chora, das alte Dorf auf einem Plateau im Landesinneren erbaut. Verwinkelte, behagliche Gässchen mit Cafes und Restaurants, sehr gutes, bezahlbares Essen und ein insgesamt unnachahmlicher Charme, der zwar nicht an ganz an das Bilderbuchhafte der Chora in Folegandros herankam, mich aber ebenso sehr – nur anders – in seinen Bann gezogen hat. Leider hab ich das Fotografieren hier stark vernachlässigt, lamer Weise ist das erste Foto unten daher aus dem Internet geklaut, was angesichts der Vogelperspektive wohl offensichtlich ist.

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Ich unternahm natürlich noch mehr. Zum Beispiel eine kürzere Wanderung rund um Aegalis, der mich aufgrund von Tagträumerei und anschließendem Verpassen der richtigen Abzweigung auf Abwege durch die Wildnis führte. Ich fand diesen Exkurs durchaus charmant, eine lange Hose hätte aber gewisse Vorteile gehabt. Diese Erfahrung wurde durch meine Begegnung mit einer Kaktusfeige flankiert. Ich kannte die Früchte nur aus dem Feinkostregal von Karstadt und war entsprechend der Meinung, dass die Frucht nur an den dunklen Flecken große, übersichtliche Stachel habe, was ich beim Abpflücken vom Baum natürlich berücksichtigte. Tatsächlich hatte die Frucht aber einen Mantel aus feinen Stacheln, die so dünn waren, dass sie sich nach dem Zupacken und Reinbeißen nicht mehr aus meinen Fingern und Lippen entfernen ließen. So viel zu meinem Versuch, Naturromantik zu erleben. Als ich nach zwei Stunden Stock und Stein also mit großer Erleichterung wieder auf eine asphaltierte Straße fand, war ich an Beinen, Händen, Lippen sowie inzwischen an den Wangen (dank der Eigenschaft der Stacheln, zwar nicht durch meine Entfernungsversuche meine Haut zu verlassen, sehr wohl aber von einer Hautfläche zur anderen wandern zu können), doch etwas ramponiert. Dem selben Muster wie nach der langen Wanderung folgend kompensierte ich meinen Schmerz mit Essen, und zwar diversen Gepäckstücken aus der örtlichen Bäckerei (meine Favoriten: Eine Mischung aus Apfelstrudel und Baklava sowie Bougatsa, einem Blätterteiggebäck mit einer Puddingfüllung). Übrigens – wer sich wundert wie man sich in Zeiten von Google Maps noch verlieren kann: Google kennt zumindest auf den Inseln wo ich war nur die asphaltierten Wege, und auf denen habe ich mich beim Wandern nicht bewegt. Und auch das Wissen, dass in ca. 200 Metern eine asphaltierte Straße kommt, hilft nicht so viel wenn dazwischen Abhänge, Steinmauern oder sonstige Hindernisse lauern.

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Ich hatte nach drei Nächten noch weitere drei Nächte übrig, die noch nicht verplant waren. Und entschied mich – dieses Mal etwas zügiger und reinem Gefühl folgend – für meine Lieblingsinsel Koufonissi, auf der ich schon zwei Mal gewesen war. Das war ein override meiner Leitlinie, nur neue Inseln auszuprobieren, den ich selbst nun als etwas dogmatisch einstufte. Nach viel Bergen und Wandern folgte nun der reine Strand und meditatives im Moment leben.

 

 

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